Am 10. Dezember 2012 fand im Bundestag die für dieses Jahr letzte Sitzung der Enquete-Kommission Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität statt. Diese wurde 2010 mit dem Ziel eingerichtet den Stellenwert von Wachstum in Wirtschaft und Gesellschaft ermitteln, die Möglichkeiten und Grenzen der Entkopplung von Wachstum, Ressourcenverbrauch und technischem Fortschritt ausloten.

Die Mitglieder eint allesamt die Kritik am derzeitigen industriellen Wachstum. Für Deutschland als stärksten Industriestaat innerhalb der Europäischen Union, ist solch eine Einsicht bemerkenswert. Im Rahmen der Weiterentwicklung des Wirtschaftsprogramms der Piratenpartei besuchten einige Piraten aus Berlin diese öffentliche Veranstaltung der Kommission, um sich über Nachhaltigen Konsum zu informieren.

Die Konsum- und damit zusammenhängende Arbeitskultur ist wesentlicher Bestandteil des aktuellen Wirtschaftssystems. Auf dem Bundesparteitag 2012.2 in Bochum haben wir Piraten erkannt, dass das Streben nach absoluter Vollbeschäftigung weder zeitgemäß noch sozial wünschenswert ist. Vorraussetzung dafür wäre das Festhalten an grenzenlosem Wachstum. Dieses ist u.a. gekoppelt mit Handelsliberalisierung und daraus resultierender Privatisierung, welche wir im Berliner Wahlprogramm für öffentliche Daseinsfürsorge ablehnen.

Der Einstieg in die Sitzung erfolgte durch Lucia Reisch, Professorin an der Copenhagen Business School im Arbeitsbereich Konsum- und Ernährungspolitik, mit einem Beispiel über Bio-Produkte: Designer-Jeans aus Biobaumwolle und Billigjeans aus Biobaumwolle. Sie verdeutlichte damit, dass es nur nachhaltigeren Konsum, jedoch keinen nachhaltigen Konsum gibt. Durch geschickte Platzierung von Produkten im Geschäft, lässt sich ein besseres Verkaufsergebnis erzielen. Dies würde selbstverständlich auch für nachhaltigere Produkte gelten. So ließen sich zum Beispiel Caféterien so umbauen, dass gesundes Essen an entsprechend neuralgischen Punkten steht und so die Kaufentscheidung unterstützt.

Des Weiteren kritisierte Reisch die unübersichtliche Vielzahl an Labels, welche sowohl Greenwashing erleichtern und gleichzeitig Verbraucher verunsichern. Der Begriff Greenwashing ist eine kritische Bezeichnung für PR-Methoden, die darauf zielen, einem Unternehmen in der Öffentlichkeit ein umweltfreundliches und verantwortungsbewusstes Image zu verleihen, ohne wirklich ökologische und soziale Nachhaltigkeitsziele umzusetzen. Eine echte Systeminnovation stellt laut ihr die Schaffung von nachhaltigerem Konsum dar.

Im Anschluss kam Prof. Friedhelm Hengsbach als zweiter Anzuhörender zum Zuge, er sitzt u. a. im wissenschaftlichen Beirat der globalisierungskritischen Nichtregierungsorganisation Attac, welche nach wie vor die Einführung der Finanztransaktionaktionssteuer fordert.

Hengsbach räumte gleich zu Anfang mit der These vom mündigen, sich seiner Kaufentscheidung bewussten Bürger auf, da hochkonzentrierte marktbeherrschende Unternehmen diktieren was konsumiert wird. Nicht ohne Grund gibt es seit Jahrzehnten die milliardenschwere Konsum- und Marketingforschung, welche Mechanismen von Konsumverhalten erforschen und die Ergebnisse für die Firmen nutzbar machen. Des Weiteren kritisierte er die Obsolesenz, also den geplanten künstlichen Verschleiß von Gütern, dass eine Reparatur von technischen Geräten teurer als der Neukauf ist, womit der Produktion von Elektroschrott Vortrieb geleistet wird. Die gesamte Konsumspirale dreht sich um Lohnarbeit, welche keinen Eigenwert besitzt, sondern notwendiges Übel ist, das Leiden verursacht und in Kauf genommen wird um vermittelt durch Lohn immer mehr Produkte zu konsumieren.

Somit ist die zeitliche Autonomie und unsere Zeit das kostbarste Gut. Zeit mit Kindern, Freunden und Verwandten etwas zu unternehmen, Zeit sich zu bilden, Zeit in Ruhe ein Buch zu lesen oder Sport zu treiben.

In der Summe müssen wir unser Konsumbewusstsein grundlegend ändern, nicht nur aus ökologischen Gründen sondern auch für mehr Lebensqualität und damit verbunden auch ein neues Verhältnis zu dem was Arbeit ist entwickeln.

Klar machen zum Ändern!

Autor: Sebastian (@Technixer)

 

Zweites Paar Augen: Björn

Was denkst du?