Während Elon Musk bis vor einigen Jahren noch als aufstrebender Unternehmer, der mit seinen Firmen SpaceX und  Tesla die Tech-Welt begeistert und sich geichzeitig als Weltverbesserer und Klimakämpfer geriert, gehandelt wurde, haben uns die jüngsten Ereignisse sehr deutlich gemacht, wie er nun vor allem bei Twitter seine eigenen Interessen verfolgt ohne für irgendjemanden etwas verbessern zu wollen. Man darf spekulieren – vermutlich führt ihn sein Weg in Richtung US-Präsidentschaft.

Aber einen Schritt zurück. Noch vor 3 Jahren war Elon Musk umjubelt. Er hat nicht nur mit dem vom Establishment gebashten Tesla der Welt gezeigt, wie man als Wirtschaftsgröße den Markt in Richtung Klimaneutralität umkrempeln kann und sich die NASA zum Kunden macht, sondern auch als Unterstützer freakiger Kryptowährungen eine Unabhängigkeit offenbart, von der wir als Tech Nerds doch alle nur träumen.

Doch die wohl oberflächliche Patina ist mit den jüngsten Entwicklungen nach und nach von diesem Bild  abgeblättert. Manches im Zusammenhang mit seiner Fabrik in Brandenburg ließ bereits Zweifel aufkommen, jedoch spätestens mit seinem Statement für die Republikaner hat Elon Musk offenbart, dass er nicht nur politische Ambitionen hat, sondern auch, dass er an seinen vermeintlichen Idealen politisch gerne rechts vorbeiziehen wird, wenn es ihm nur einen Vorteil bringt. Dies wäre die positive Interpretation. Genauer betrachtet ist wohl die ganze weltverbesserische Maske der letzten Jahre nur Show gewesen und sein Blick nach Rechts offenbart sogar Elon Musks wahre Haltung: Nämlich dass die anderen nur „der Pöbel“ sind und die Welt gefälligst denen zu gehören hat, die es mindestens zum Multimilliardär gebracht haben. Das passt bei reiflicher Überlegung besser ins Bild.

Ein werdender Präsident braucht aber besonders auch die Presse – à la Elon Musk kauft man sich die einfach. Da die großen Zeitungen schon über das berichten, was bei Twitter läuft, reicht dieser Nachrichtendienst gerade aus, um flächendeckende Meinungsmache zu transportieren. Damit ihm niemand an irgendetwas hindern kann, werden die üblichen Regularien und Moderationen auf Twitter aufgehoben, Zertifizierungen für Geld verkauft, der Aufsichtsrat aufgelöst und die Hälfte der Belegschaft hinausgeworfen – wie es sich eben für einen anständigen Nachwuchsdespoten gehört. 

Ob er dann auch mit einem alten Waschbecken ins Weiße Haus einziehen möchte, um den nächsten krassen Schritt bildlich sacken zu lassen (Tweet Musk: „Let that sink in“), wird sich zeigen. 

Was Herr Musk anscheinend inzwischen vergessen hat: Es gibt auch noch andere Social Media, die teilweise außerdem aus mehreren Gründen vorzuziehen wären. Niemand muss sich, zumindest was Twitter betrifft, die Selbstherrlichkeiten des neuen Beitzers bieten lassen, Mastodon, Fediverse usw. begrüßen gerne weitere Nutzende.

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